Initiative Gaswerk

 

 Stadtteilentwicklung braucht Mitsprache! 


Wir setzen uns ein für ein Gaswerk für alle, für Transparenz, Bürgerbeteiligung und Stadtteilentwicklung, die auch die Wünsche und Bedürfnisse der BewohnerInnen berücksichtigt - seitens der Steyrer Stadtverwaltung und seitens der FHOÖ-Immobilien GsmbH sind das nach wie vor Fremdwörter. Dabei hat der Wehrgraben mehr verdient als "halbe Sachen", wie es die Vorgangsweise der genannten Akteure offenbart.

Wir fordern einen sensiblen und zukunftsorientierten Umgang bei der Planung der Neugestaltung des Gaswerks, das für Lebensqualität, Kreativität und neue Möglichkeiten steht: 

 Kulturelle Nachnutzung der Werkstätten auf dem Gelände, weitere Begrünung des Areals samt Ausweitung seiner aktiven, gestalterischen, kulturellen und künstlerischen Möglichkeiten. Schon jetzt ist das Gaswerk eine beliebte Freizeitanlage und Begegnungszone für Jugendliche, Kinder, AnrainerInnen und andere Einwohnerinnen, da es das einzige größere Areal ist, auf dem man sich im Stadtteil Wehrgraben frei bewegen kann. Eine Stadt braucht Mitbestimmung und Freiraum, nicht nur für Industrie und Management, sondern auch für Jugendliche, Kinder und andere EinwohnerInnen. 

Kunst.Handwerk.Naht. Schon da!

Interview mit Bruno Feigl, 2014 (ab Minute 9) 



Der Erhalt der Eigenart des Wehrgrabens samt seiner kulturell-kreativen Nutzung aber auch als Ort der Rekreation der SteyrerInnen ist wegen einer  geplanten Erweiterung des Fachhochschul-Campus Steyr durch die Fachhochschul-ImmobilienGmbH gefährdet. 

Und zwar wäre durch einen solchen Eingriff nicht nur das einzigartig grüne, kulturelle und historische Kleinod zerstört, sondern es wäre auch 

mit einem verstärkten Verkehrsaufkommen in einem ohnehin sensiblen und für den PKW-Verkehr nur begrenzt geeigneten Stadtteil zu rechnen, 

* die Zerstörung der letzten unverbauten Uferlandschaft entlang der Steyr im Stadtgebiet samt seiner Fauna und Flora gewiss, 

* die Zerstörung des Stadtbildes durch den - wie es heißt - auf Stelzen geplanten Zubau der FH samt Parkplätze sicher gestellt,  

und *die EinwohnerInnen Steyrs von der Mitbestimmung über die Zukunft dieses Teils des Wehrgrabens ausgeschlossen. Allerdings sind sie es, die damit leben werden müssten, über Jahre, Jahrzehnte hinweg. 

 

Seit Jahren beobachtet die Bürgerinitiative Wehrgraben das Geschehen seitens der Stadtverwaltung rund um eine Neugestaltung des Gaswerkgeländes.  Dabei stoßen wir allerdings immer wieder auf Grenzen, da wir entgegen ursprünglicher Ankündigungen, in den Prozess miteingebunden zu werden, weder ausreichend informiert noch zum Mitsprechen eingeladen werden.

 

Aber auch wir arbeiten an einer Weiterentwicklung des Geländes und fordern Weitsicht statt Kurzsicht: Wir setzen uns zum einen für die kulturelle Nachnutzung der Werkstätten auf dem Gelände ein, zum anderen für die weitere Begrünung des Areals samt Ausweitung seiner aktiven, gestalterischen, kulturellen und künstlerischen Möglichkeiten. Schon jetzt ist das Gaswerk eine beliebte Freizeitanlage für Jugendliche, Kinder, AnrainerInnen und SteyrerInnen, da es das einzige größere Areal ist, auf dem man sich im Stadtteil Wehrgraben frei bewegen kann. Eine Stadt braucht Mitbestimmung und Freiraum, nicht nur für Industrie und Management, sondern auch für kreative Köpfe, Jugendliche, Kinder und EinwohnerInnen. 

Ein Rundgang durch das Gaswerk in Bildern: (Fotos: ©J. Kerviel) 

 

Auf dem Areal befinden sich neben der Produktionsschule des bfi noch zahlreiche Garagen der AnrainerInnen, angemietete Parkplätze der Fachhochschule Steyr, ein großes Depot des Musikfestival Steyr sowie drei sich in Betrieb befindliche Werkstätten (siehe Video und Rundgang in Bildern oben). Gegründet wurde das Gaswerk im Wehrgraben 1864, Eigentümer war damals die Gesellschaft für Gasindustrie in Augsburg. Ziel war, die Stadt mit Gaslicht zu beleuchten. In sechs Rostöfen wurden rund 6.000 m³ Gas pro Tag produziert, es gab drei Gasbehälter, neben Straßenbeleuchtung wurde die Energie auch für die Motorenbetriebe und Licht in privaten wie öffentlichen Gebäuden verwendet. Bis zu 17 Arbeiter waren dort tätig. 1919 wurde die Straßenbeleuchtung auf elektrischen Strom umgestellt, die Verwendung von Leuchtgas eingestellt, 1942 wurde auf Kokereigas umgestellt. Das Gaswerk ging 1959 in den Besitz der Stadt Steyr über. Bis 1973 wurde in der Gaswerkgasse das Gas noch selbst erzeugt, dann erfolgte der Anschluss an das Erdgasnetz der OÖ. Ferngas. 

 

Mit einem Ausbau der Fachhochschule am Gelände des alten Gaswerks würde nicht nur die Verdrängung von sozial weniger begüterten Schichten aus dem Wehrgraben fortgesetzt sondern neben einem Ende der zum Teil kulturell-kreativen Nutzung des Areals auch die letzte durchgängige Grünfläche des Stadtteils und das unbebaute Ufer zur Steyr hin zerstören werden. "Das geringe Verkehrsaufkommen, die gute Besonnung und reichliche Durchgrünung vervollständigen die Lebensqualität dieses Stadtteils," schrieb Heribert Mader, federführend bei der Rettung des Wehrgrabens, in den 1980er Jahren. Und so sollte es auch in Zukunft bleiben! 

 

Lesetipps: 

Andrej Holm, Das Recht auf die Stadt. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 8/2011, 89-97. 

Link: Das Recht auf die Stadt. 

Alexander Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Frankfurt 1999. 

Henri Lefebvre, Die Revolution der Städte. La Révolution urbaine. Hamburg 2014 [1972].

Christoph Twickel, GENTRIFIDINGSBUMS oder Eine Stadt für alle. Hamburg 2010.

Andrej Holm, Wir Bleiben Alle. Gentrifizierung - Städtische Konflikte um Aufwertung und Verdrängung. Münster 2010. 

dérive - Zeitschrift für Stadtforschung

UNESCO / UN-HABITAT: Urban Policies and the Right to the City. Paris 2009.

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Links: 

rechtaufstadt.at

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